↑ Zurück zu Ideen

CyberKultur

Kaum entfaltete das Internet sein Potenzial, schon wurde es missbraucht, von den Massenmedien verteufelt, wird uns Angst gemacht und wird der Kraft dieses Mediums von uns bisweilen schon sehr dummen Menschen nur ansatzweise genutzt. Auch zu dieser Thematik gilt der Grundsatz von leucht-dio.de: Halten wir uns einmal nur nicht damit auf, durchaus berechtigte Einwände und Kritiken zu diskutieren, sondern richten wir zunächst unseren Fokus auf Möglichkeiten, Kräfte, Ideen zur Gestaltung und Anwendung dieses Mediums, das unser Zusammenleben schon jetzt ausserordentlich stark beeinflusst und verändert hat. Ein Ende der gewaltigen Veränderungen unserer Gesellschaft ist nicht absehbar. Nach 25 Jahren Internet befinden wir uns immer noch in den Kinderschuhen, haben vielleicht gerade einmal laufen gelernt und torkeln nun auf unsicheren Füßchen durch das Cyber Universum. Also Augen auf, Balance halten, Sicherheit gewinnen und neue Horizonte erschließen!

Vor etwas mehr als 20 Jahren diskutierten einige Soziologiestudenten ein Phänomen namens „neue soziale Bewegungen“. Diese wurden definiert als aus den 68ern hervorgegangene gesellschaftliche Strömungen und Gruppierungen, die sich gegen erstarrte, konservative gesellschaftliche Normen und Prozesse richteten und Veränderungen wünschten. Menschen versuchten sich zu organisieren und möglichst viele Gleichgesinnte anzustecken, um einen Wandel anzustoßen. Ein Hauptproblem, so diskutierten wir Studenten damals heraus, war die mangelhafte Organisation dieser Gruppen. Eine anständige Anzahl von Menschen zu organisieren kostete Zeit und Geld. Viele progressiv denkende Menschen hatten aber nur bescheidene finanzielle Mittel zur Verfügung. Neue soziale Bewegungen verschwanden schneller als man schauen konnte.

Und dann kam das Internet.

Heute kann man dank der sozialen Netzwerke und dank verschiedenster Plattformen, sowie dank der möglichen „Viralität“ von Inhalten, die im Netz kursieren, praktisch in Nullkommanichts eine Masse an Menschen erreichen und eine Bewegung für/gegen was auch immer effektiv auf die Beine stellen. Dies ist ein entscheidender Aspekt der CyberKultur. Aber es ist immer noch Theorie. In der Praxis scheitern die Initiatoren an diversen Hürden, nicht zuletzt aber daran, dass sie das Internet weder verstehen noch zu ihren Gunsten lenken können. Man verzettelt sich, man diskutiert und zerstreitet sich auf Nebenkriegsschauplätzen, man fällt Unsachlichkeiten und billigen Shitstorms zum Opfer, man unterschätzt die Tatsache, dass ein Inhalt, der wirklich „viral“ werden und schnell viele Menschen erreichen soll, professionell und mit viel Feingefühl produziert werden muss. Somit haben, was die Beeinflussung großer Menschenmassen betrifft, immer noch die vielfach grotesk lügenden Massenmedien das Sagen und gute Inhalte gehen in einer Flut von schlecht aufbereiteten Informationen im Netz einfach unter. Da ist noch eine Menge Luft nach oben, und es steht zu vermuten, dass wir uns viel stärker mit der Struktur von Netzwerken, mit den Funktionsweisen unseres Gehirnes, mit der Psychologie der Massen und mit den Wechselwirkungen im Streit zwischen Konservativen und Progressiven auseinandersetzen müssen, wollen wir „neue soziale Bewegungen“ auf einen durchschlagskräftigen Level heben.

Der Harvard Professor, LSD-Guru, Hirn- und Kommunikationsforscher, Philosoph und Rebell Timothy Leary war in diesen Fragen ein Pionier, der bis heute unverstanden und in die Drogen-Schmuddelecke gedrängt ist, auch dies ist geschickt von konservativen Kräften eingefädelt worden, die die Verbreitung seines Wissens in den vergangenen Jahrzehnten effektiv unterbunden und den Mann systematisch diskreditiert hat. Nun, Leary wäre nicht der Erste und nicht der Letzte, der postum plötzlich zu Berühmtheit kommt, warten wir es ab. Für meinen Kontext zur CyberKultur genügt es, anzumerken, dass das theoretische Wissen um effektivere Nutzung unseres Gehirnes und des Netzes schon lange vorhanden ist.